Herdbuchzucht

Schafhalter, die ihren Betriebssitz in Nordrhein-Westfalen haben, können auf Antrag als Mitglieder der Schafzüchtervereingung NRW Herdbuchzucht betreiben. Schafhalter sollten bei Interesse Kontakt mit den Beratern der Schafberatung NRW oder des Schafzuchtverbandes NRW aufnehmen.

 

Die Zuchtjahre beginnen jeweils am 1. Juli und enden am 30. Juni des Folgejahres. Die Schafzüchtervereinigung NRW veröffentlicht jährlich einen Zuchtbericht zur Struktur und Zuchtentwicklung.

Zuchtausschuss der Schafzüchtervereinigung NRW

Aktuelle Daten über Adressen und Kontaktmöglichkeiten zu den Mitgliedern des Zuchtausschusses finden Sie unter „Rassen & Züchter“.

Vorsitzender

Andreas
Humpert
Marienmünster-Löwendorf

Zuchtleiterin

Fides Marie
Lenz
Eickelborn

Vertreter der Fleischschafrassen

Andreas
Johlen
Altenbeken-Schwaney
Rasse Texel
Meinolf
Koerdt
Beckum
Rasse Suffolk
Norbert
Reckmann
Dülmen
Rasse Shropshire
Florian
Völkel
Hilchenbach-Vormwald
Schwarzköpfiges Fleischschaf

Vertreter der Landschafrassen

Georg
Flötotto
Verl-Sende
Rasse Bentheimer Landschaf
Hans-Josef
Geurtz
Weeze
Landschafrassen, Coburger Fuchsschaf
Andreas
Humpert
Marienmünster-Löwendorf
Rassen Weiße Gehörnte Heidschnucke, Weiße Hornlose Heidschnucke, Skudde
Peter
Richterich
Ennigerloh
Rassen Rauhwolliges Pommersches Landschaf, Coburger Fuchsschaf

Vertreterin der Milchschafrassen

Karla
Ebert
Lemgo
Rassen Ostfriesisches Milchschaf der Zuchtrichtungen Weiß, Schwarzbraun und Gescheckt

Vertreter der sonstigen Rassen

Ulf
Helming
Augustdorf
Rasse Braunes Haarschaf

(Stand 27.11.2018)

Ultraschallmessung bei Zuchtlämmern zur Qualitätssicherung

Lammfleisch wird in vielen Restaurants als besondere Delikatesse angeboten. Um den Köchen auch in Zukunft ein besonders hochwertiges Fleisch anbieten zu können, sind die Züchter ständig bemüht, die Qualität der Lämmer zu erhalten und fortzuentwickeln. Der Feinschmecker wünscht sich ein fettarmes, schmackhaftes Fleisch, der Koch möchte zusätzlich, dass er große Fleischstücke verarbeiten kann. Dem lebenden Tier sieht man diese Eigenschaften nicht ohne weiteres an, zumal die Wolle gerade beim Schaf die Bewertung nach dem äußeren Anschein erschwert. Geschlachtet kann man beim Tier zwar sehen, ob es verfettet und wie die Ausprägung der Muskulatur (das Fleisch) ist, aber dann ist es natürlich zu spät, um bei diesem Tier noch die Entscheidung treffen zu können, als Vater oder Mutter der nächsten Generation ausgewählt zu werden. Unsere Züchter bedienen sich daher moderner Technik, um in das lebende Tier „hineinsehen zu können“.

Grafik: Chart Ultraschallmessung am Lamm (Quelle: Schafzuchtverband NRW e. V.)
Grafik: Chart Ultraschallmessung am Lamm (Quelle: Schafzuchtverband NRW e. V.)

Mittels Ultraschalltechnik wird im Lendenbereich ein Ultraschallbild erzeugt, auf dem man den Durchmesser des Rückenmuskels und die Höhe der Fettauflage messen kann. Diese Werte werden mit Hilfe statistischer Verfahren noch auf ein männliches Lamm mit einem Körpergewicht von 42 kg standardisiert und dann dem Züchter zur Verfügung gestellt. Er bekommt so in diesen Merkmalen eine Rangfolge seiner Lämmer, die bei der Entscheidung helfen soll, welche Lämmer er in Zukunft als Ergänzung seines Zuchttierbestandes auswählen soll und welche Lämmer den Weg zum Schlachthof gehen müssen.

Mitglieder der Schafzüchtervereinigung NRW bemühen sich, durch Selektion und Bereitstellung erbgesunder Zuchtböcke die Ausbreitung von Erbkrankheiten zu verhindern. Ein gewaltiger Fortschritt konnte in den letzten Jahren durch die Identifizierung von Genen erreicht werden, die für das Auftreten von Erbkrankheiten verantwortlich sind. In der Regel ist es so, dass die Krankheit nur dann ausbricht, wenn bestimmte Gene homozygot, d.h. reinerbig auftreten. Das Schaf besitzt zwei Chromosomenpaare, die Krankheit bricht also nur dann auf, wenn die krankmachenden Gene auf beiden Chromosomen eines Paares vorhanden sind. Sind diese Gene nur auf einem der beiden Chromosomen vorhanden, bleibt das Tier gesund, das Tier ist aber Träger der krankmachenden Gens. Paart sich das Tier mit einem Partner, dessen Erbgut ebenfalls diese krankmachenden Gene trägt, wird die Krankheit bei einem Teil der Nachkommen auftreten.

Durch die neuen Möglichkeiten, über eine Gewebe- oder Blutprobeprobe das Erbgut eines Tieres zu untersuchen (Genotypisierung), kann man erkennen, ob das Tier Träger des krankmachenden Gens ist, auch wenn bei ihm selbst die Krankheit nicht auftritt (heterozygote Anlagenträger). Solche Tiere kann man von der Zucht ausschließen, so dass sie ihr schädliches Erbgut nicht an die Nachkommen weitergebn können. Derzeit selektieren Züchter auf Erbgesundheit bei zwei Erbkrankheiten:

Spieder Lamb Syndrom (SLS)

SLS ist unter dem Namen Spinnenbeinigkeit bekannt und trat erstmalig Anfang diese Jahrtausends in Deutschland bei Lämmern der Rasse Suffolk auf. Sie führt bei jungen Lämmern zu einer starken Deformation der Gliedmaßen, die Lämmer können nicht mehr laufen und müssen vor Erreichen des Schlachtalters aus Gründen des Tierschutzes eingeschläfert werden. SLS wird durch das homozygote Auftreten eines einzelnen Gens ausgelöst, heterozygote Anlagenträger sind gesund, werden daher nicht erkannt. Seit dem Jahr 2005 ist in Deutschland ein Gentest verfügbar, mit dem heterozygote Anlagenträger (NS) von homozygoten Anlagenträgern (NN) unterschieden werden können.

Die Schafzüchtervereinigung NRW hat entschieden, in der Suffolk-Zucht nur noch Böcke zum Deckeinsatz zuzulassen, die als NN-Anlagenträger identifiziert worden sind. Bereits seit dem Jahr 2006 lassen die Suffolk-Züchter systematisch alle für den Deckeinsatz in Frage kommenden Suffolk-Böcke untersuchen und haben sich auch verpflichtet, alle Ergebnisse an die Schafzüchtervereinigung NRW zu melden. 

Mikrophthalmie (MO)

Seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass in der Zuchttierpopulation der Rasse Texel eine Erbkrankheit vorkommt, die sich darin äußert, dass Lämmer aufgrund einer Missbildung der Augen blind geboren werden. Diese Krankheit wird als Mikrophthalmie (MO) bezeichnet. Mikrophthalmie wird als monogen autosomal rezessives Merkmal vererbt. Wie bei SLS sind die Eltern betroffener Lämmer Träger der Mutation, lassen sich jedoch als gesunde Schafe nicht von anderen Schafen unterscheiden.

Seit dem Jahr 2010 ist in Deutschland ein Gentest verfügbar, mit dem Anlagenträger (MOC = mikrophthalmie-carrier) von erbgesunden Tieren (MOF = mikrophthalmie-free) unterschieden werden können. Aufgrund der Ergebnisse erster Untersuchungen von Texel-Züchtern, die auf Privatinitiative hin erfolgten, hat der Zuchtausschuss der Schafzüchtervereinigung NRW 2011 beschlossen, wie bei SLS nur noch per Gentest nachgewiesen erbgesunde Böcke zum Deckeinsatz in der Herdbuchzucht zuzulassen.

Ansprechpartner in der Zuchtarbeit

Im Wöholz 1
59556 Lippstadt-Eickelborn

Zuchtleitung:
Fides Marie Lenz
02945 – 989 420
fides.lenz@lwk.nrw.de

Herdbuchführung:
Markus Barkhausen
02945 – 989 423
markus.barkhausen@lwk.nrw.de

Download:

Katalog der Jährlingsbockauktion April 2021

Download:

Informationen und Formulare zur Herdbuchzucht

Download:

Handbuch für die Herdbuchführung serv.itOvicap

Download:

Zuchtprogramme zu in NRW gezüchteten Rassen

Beitragsfoto:
Schafe im Stall (© Markus Barkhausen)